Von Jackson Pollock bis Walter De Maria, von Mark Rothko bis Donald Judd – amerikanische Künstler haben weltweit die Museen erobert und das Kunstgeschehen nachhaltig verändert. In den USA kann man ihren Werken in herausragenden Sammlungen begegnen und entdeckt Schauplätze, die „off the beaten track“ liegen.
New York City, New York
Die Metropole ist seit den 40er Jahren das Kunstzentrum schlecht hin. Die großen Museen mit ihren internationalen Sammlungen sind regelrechte Magnete, die Kunstbegeisterte magisch anziehen.
Ein Abstecher ins MoMA lohnt sich immer, zumal es Jackson Pollocks „Nr. 31“ besitzt. Es ist sein Meisterwerk, in dem er die „drip“-Technik perfektioniert hat. Energetisch aufgeladen und mit magischem Tiefenraum saugt es den Blick des Betrachters auf.
Mit einem Ausrufezeichen zu versehen ist das Whitney Museum of American Art. Es bietet dem New-York-Besucher die einzigartige Gelegenheit, die weltweit größte Sammlung von Werken von Edward Hopper zu bestaunen. Wie kaum ein anderer Maler, hat er die Einsamkeit des modernen Menschen in seinen Bildern verarbeitet und ist als „American Realist“ in die Kunstgeschichte eingegangen.
Vor allem kommen die Kenner der amerikanischen Konzeptkunst in der „Stadt, die niemals schläft“ auf Ihre Kosten und das Dank der Dia Art Foundation, die 1974 vom Münchner Galeristen Heiner Friedrich und dessen Frau Philippa de Menil, die Tochter des Kunstförderers de Menil aus Houston, ins Leben gerufen worden ist. Die Dia Art Foundation unterstützt Kunstprojekte, die andernfalls wegen ihres Charakters oder ihrer Größenordnung kaum hätten realisiert werden können.
Dazu gehören im Stadtkern New Yorks Joseph Beuys „7000 Oaktrees“, Walter De Marias „the broken kilometer“ und „New York Earth Room“ und nicht zu vergessen Dan Flavins sphärische Lichtinstallation mit dem ungreifbaren Titel „untiteled“.
Gerade Dan Flavin gehört zu den Inkunabeln der Amerikanischen Kunstwelt. Will man mehr von seiner Lichtkunst sehen, hat man in Bridgehampton, New York. die Möglichkeit, wo sich das Dan Flavin Institut befindet.
Zum Pflichtprogramm sollte auch ein Besuch des New Yorker Vororts Beacon am Hudson River gehören. 2003 eröffnete die Dia Art Foundation ein sensationelles Museum. Eineinhalb Stunden dauert die Fahrt mit dem Auto oder dem Zug, aber der Weg lohnt sich allemal: Das Museum umfasst die größte Sammlung von Kunst seit den 1960ern in Amerika. Die Liste der Künstler klingt wie das ‚Who is Who‘ der westlichen Kunstwelt: John Chamberlain, Walter De Maria, Dan Flavin, Donald Judd, Imi Knoebel, Blinky Palermo, Fred Sandback, Cy Twombly, Andy Warhol, Bernd and Hilla Becher, Louise Bourgeois, On Kawara, Sol LeWitt, Agnes Martin, Bruce Nauman, Robert Ryman, Gerhard Richter, Richard Serra, Robert Smithson, Lawrence Weiner, etc. Das Gebäude wurde vom amerikanischen Künstler Robert Iwing modernisiert, der auch das Parkgelände gestaltet hat. Somit ist die Dia.Beacon ein Gesamtkunstwerk par excellence.
Nach einem Marathon zu den Pilgerstätten der “Modern Art” ist ein Besuch des “The Cloister” im Fort Tryon Park im Norden Manhattens zu empfehlen, wo man die Seele so richtig baumeln lassen kann. Die mittelalterliche Anlage wurde aus Architekturfragmenten von meist französischen Klöstern errichtet. Die meditative Atmosphäre, die die einstigen Mauern durchflutete hat, ist auch heute noch zu spüren, so dass man die Sammlung mittelalterlicher Schätze genussvoll auf sich wirken lassen kann.
Connecticut
Wer sich nicht nur für Kunst, sondern auch für Architektur interessiert, sollte einen Abstecher nach New Canaan, Connecticut in Erwägung ziehen. Der eigenwillige Stararchitekt Philip Johnson, der mal sagte „Architektur ist die Kunst des Platzverschwendens„ hat sich dort einen gläsernen Rückzugsort geschaffen. Der völlig transparente Bungalow, den er selbst bewohnte, bildet mit einem Gästehaus, einer Galerie für Moderne Kunst und einer kleinen Parkanlage ein Ensemble, das ein „Freilichtmuseum“ der besonderen Art geworden worden ist.
Texas
Ganz ehrlich – die meisten denken bei Texas doch eher an Rodeos, T-Bone-Steaks und Ölbarone. Aber weit gefehlt. Texas strotzt nur so von Kunst-Highlights. Eines davon ist die Privatsammlung von Dominique und John de Ménil in Houston. Sie gilt als die größte Privatsammlung der Welt und ist für jeden eine Offenbarung wenn es um amerikanische Kunst geht. Werke von Arshile Gorky über Barnett Newmann bis zu hin zu Cy Twombly, Mark Rothko u.v.a sind hier versammelt.
Das i-Tüpfelchen dazu ist die „The Rothko Chapel“, die von den Ménils 1971 in Auftrag gegeben und von keinem geringeren als Philip Johnson entworfen wurde. Für viele Kunstliebhaber ist die Kapelle eine Pilgerstätte geworden. Die großformatigen, ganz in Schwarztönen gearbeiteten Leinwände, die Mark Rothko speziell für diesen Ort geschaffen hat, verströmen eine tiefgründige, friedvolle Aura, die die Räume zu einem Sanctuum der Ruhe machen. Barnett Newman’s Broken Obelisk, der Martin Luther King Jr gewidmet ist, markiert den Eingang zur Kapelle.
Neben Houston ist natürlich Dallas ein wichtiger Marker auf der Kunstroute. An Museen ermangelt es der Stadt sowieso nicht. Seit 2003 kann sich Dallas auch noch des ‚Nasher Scultpur Center‘ rühmen, das von Raymond D. Nasher und seiner Frau Patsy geschaffen wurde. Man wandelt im Park zwischen Großplastiken u.a. von Alexander Calder, und James Turrell, sinniert über die Verbindung von Miro und Lichtenstein oder Max Ernst und David Smith und gleitet hinüber zum Pavillion von Renzo Piano, wo die fragilen Arbeiten der Sammlung hinter Glaswänden geschützt gezeigt werden. Kein Wunder, dass so mancher Besucher hier zum Schwärmen kommt.
Ein Erlebnis ganz anderer Art und ein „Muss“ für jeden, den es nach Texas führt, ist die Chinati Founation in Marfa. Mitten in der Wüste, 10 Autostunden von Houston entfernt, hat sich Donald Judd (1928-1994), einer der wichtigsten Vertreter der Minimal Art, ein Reich geschaffen, das seiner Vorstellung von Kunst und idealer Ausstellungsarchitektur entspricht.
Neben seinen eigenen Werken installierte er Arbeiten von Künstlern, mit denen er befreundet war und die er schätzte: John Chamberlain, Dan Flavin, Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen, Ilya Kabakov, Richard Long, John Wesley, Roni Horn und David Rabinowitch. Chinati ist ein einmaliges, in sich stimmiges Gefüge von minimalistischer Kunst, strenger Architektur und karger Landschaft.
New Mexico
Überquert man die Bundesgrenze nach New Mexico und macht sich auf den Weg Richtung Westen kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Hier installierte 1977 Walter De Maria sein „The Lightning Field“.
Neben Nancy Holts “Sun Tunnels” (1973-76) in der Great Basin Wüste und Robert Smithson berühmten Spiral Jetty am Salt Lake, beide in Utah, gehört „The Lightning Field” zu den großen Land Art-Projekten, die in den USA verwirklicht wurden.
Beginnend in den 70er Jahren hatten sich Konzeptkünstler verstärkt der Land Art zugewandt. Mit ihren zum Teil riesenhaften Projekten haben Künstler wie Walter De Maria den üblichen Ausstellungsraum verlassen.
Ihr Ziel war es, unsere Wahrnehmung von Naturphänomenen zu intensivieren und der Frage nach der Funktion der Kunst im Alltag nachzugehen. Vor allem wollten sich die Künstler bewusst gegen die konsensorientierte Politik der Museen stellen und parallel ihren Protest gegen die Kommerzialisierung von Kunst zum Ausdruck bringen.
„The Lightning Field“ ist hierfür eines der spektakulärsten Beispiele. Der Weg führt in die Wüste südwestlich von New Mexico. 400 polierte Stahlstangen stehen in einem geordneten Quadrat, die bei Gewitter die Blitze anziehen. Was sich an dieser Stelle lapidar anhört, ist vor Ort eine Symphonie der Naturgewalten, die keiner vergisst, der sie einmal erleben durfte.
Und ist man schon mal in New Mexico darf ein Abstecher nach Santa Fee in das Georgia O’Keeffe Museum nicht fehlen.
Georgia O’Keeffe ist 1986 im Alter von 98 Jahren gestorben. Mit Ihren klaren, einfachen Formen und ihren unkonventionellen Bildmotiven von Tierschädeln und für damals provokativ erotischen Blumenbilder wurde sie zu einem Pionier des ‚New Modernist‘ in den USA. Das Museum zählt über 1.000 Werke der Grand Dame der amerikanischen Kunst ihr Eigen. Obendrein besitzt das Museum eine hervorragende Photographie-Sammlung William Eggleston. Damit ist das Museum ein „Muss“ für den kunstbeflissenen Reisenden.
Nevada
Last but not least hat Nevada etwas außergewöhnliches, schrilles und auf jeden Fall einzigartiges zu bieten: Das „Burning Man Festival“, das jedes Jahr im Spätsommer in Black Rock City gefeiert wird. Mittlerweile ist das Kunst-Spektakel Kult und zieht eine stätig anwachsende Fangemeinde aus der ganzen Welt an, die bei bester Partylaune eine Woche feiern. Der Abschluss und Höhepunkt des Spektakels ist das Verbrennen von „The Man“ – eine riesenhafte Skulptur, die jedes Jahr von einem Künstler geschaffen wird. „The Burning Man“ feiert das Leben und den Moment, in dem man an kein Gestern und kein Morgen denkt.
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